Wo und wie können wir das Glück finden? Eine umfassende Studie mit Daten aus 66 Ländern wagt sich an Antworten auf diese große Frage. Lesen Sie, warum die alleinige Konzentration auf das eigene Ich häufig eine Sackgasse ist und welche fünf Glücksfaktoren stattdessen zählen.
Wer das Glück sucht, findet dazu in Seminaren, Büchern und auf Websites viele kluge Ratschläge. Anschließend versuchen wir es mit noch mehr Achtsamkeit, strengen Morgenroutinen, kostspieligen Retreats oder Dankbarkeitstagebüchern mit Goldschnitt. Selbstoptimierung als Dauerzustand. Dabei hat das Glück womöglich weit weniger mit dem eigenen Ich zu tun, als die Ratgeberregale vermuten lassen.
Fast 100.000 Antworten auf eine alte Frage
Auf der Suche nach Antworten haben Forscher nun ein gewaltiges Datennetz ausgeworfen. Das Team um die Psychologin Ewa Palikot (Polnische Akademie der Wissenschaften) hat Befragungen von 97.220 Menschen aus 66 Ländern analysiert und mehr als 200 soziale und psychologische Variablen geprüft. Am Ende steht eine Erkenntnis, die man nicht in jedem Achtsamkeitskurs hört. Glück gedeiht eher in der Gemeinschaft als im stillen Kämmerlein.
Dass der Mensch ein soziales Wesen ist, hätte man womöglich auch mit weniger als 97.220 Befragten vermuten können. So gründlich belegt sieht man es allerdings selten. Zudem haben die Wissenschaftler 56 Faktoren identifiziert, die statistisch messbar mit unserem Wohlbefinden zusammenhängen, und daraus fünf grundlegende Bausteine des Glücks abgeleitet. Ausführlich nachzulesen im „Journal of Positive Psychology“. Hier die Kurzfassung:
- Die Freiheit, das Leben nach den eigenen Vorstellungen zu formen.
- Eine offene Gesellschaft, die Bildung fördert und unterschiedliche Lebensentwürfe zulässt.
- Die Erfüllung der Grundbedürfnisse. Ein Dach über dem Kopf und ein voller Kühlschrank bilden nun einmal die Basis für Zufriedenheit.
- Das Vertrauen in funktionierende staatliche Institutionen.
- Ein verlässlicher Rückhalt durch Familie, Freunde und Menschen, auf die man zählen kann.
Weniger Ich, mehr Wir
Eine Gesellschaft, in der sich Menschen gegenseitig stützen und tolerieren, ist unterm Strich glücklicher als eine Ansammlung von Egozentrikern, die den ganzen Tag nur ihr eigenes Karma aufpolieren. Wir dürfen folglich getrost ab und zu den Selbstfindungs-Workshop absagen, den Ratgeber für radikale Selbstliebe zuklappen und einfach mal schauen, wie es dem Nachbarn geht.
Denn das Schöne am echten Glück ist: Es wird nicht weniger, wenn man es teilt. Es scheint überhaupt erst dann richtig zu funktionieren. Glück ist eben ein Teamsport. Und falls Sie zufällig in dieser Woche den Eurojackpot knacken sollten, haben Sie direkt das perfekte Trainingslager vor sich: Sie können mit Ihren Liebsten ausgiebig testen, wie sich geteiltes Millionenglück in der Praxis anfühlt.










